Gosewinkel sorgt für faire Geste im Duell um den Klassenerhalt

Rheine - Nicht selbstverständlich: Den drohenden Abstieg ihrer Mannschaft vor Augen, verzichtete Lena Gosewinkel auf den persönlichen Vorteil und kümmerte sich um ihre am Boden liegende Gegenspielerin. Für so viel Herzensbildung erhielt die Stürmerin des FFC Heike Rheine nun vom Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen (FLVW) den Fairplay-Preis des Monats September verliehen. Hans-Dieter Schnippe,Kreisvorsitzender im Kreis Steinfurt, überreichte als Dankeschön einen Pokal und zwei Eintrittskarten für die heutige Bundesligapartie Borussia Dortmund gegen Hannover 96.



Für ihre Aktion am 11. Mai dieses Jahres war die 20-Jährige für den Wettbewerb vorgeschlagen worden. Seinerzeit steckte ihr Verein, der FFC Heike, tief im Regionalliga-Abstiegskampf und hätte die Punkte im Derby gegen Arminia Ibbenbüren dringend benötigt. Beim 1:2-Rückstand hatte Gosewinkel den Ausgleich auf dem Fuß, als sie aus dem Augenwinkel wahrnahm, wie die gegnerische Verteidigerin Maren Kruppa beim Verteidigungsversuch stürzte. „Ich habe ein Knacken gehört, da konnte ich nicht weiterspielen“, erinnert sich die attraktive Ibbenürenerin an die Situation in der 75. Minute. Ihr Eindruck bestätigte sich: Kruppa riss sich dabei das vordere Kreuzband. Deren Vater Thomas Kruppa schlug Gosewinkel später beim für den FLVW-Monatspreis vor.

Bei der Abstimmung auf der Verbands-Homepage setzte sie sich mit 47:13 Stimmen gegen Torhüter Juri Wirz (FSV Bad Wünnenberg/Leiberg 2) durch, der einen Schiedsrichter korrigierte und zugab, dass ein gegnerischer Schuss seine Torlinie überschritten hatte. Bei dem FLVW-Wettbewerb treten immer zwei ausgewählte Fußballer aus Westfalen gegeneinander an. Die bestens sechs Akteure kommen in die Jahreswertung. Zurzeit gehört die Kapitänin des FFC Heike noch dazu.

„Ihr Verhalten ist schon sehr außergewöhnlich in der heutigen Zeit, in der alle auf Erfolg getrimmt sind und weniger das Menschliche beachten“, gratulierte Schnippe der Preisträgerin.

Gosewinkel, deren Zwillingsschwester Marie ebenfalls für den Rheiner Regionalligsten kickt, fühlte aus speziellem Grund besonders mit Kruppa: „Maren ist angehende Sportlehrerin und stand kurz vor ihrer Referendarzeit. Da ist ein Kreuzbandriss natürlich mehr als ärgerlich.“ Gosewinkel studiert ebenfalls in Münster Sport und Deutsch auf Lehramt und kennt sich mit der Verletzung aus. In den Jahren 2012 und 2013 erhielt sie an jeweils beiden Kniegelenken die gleiche Diagnose.

Text und Bild: Dirk Möllers / Münsterländische Volkszeitung


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